Positionen und Allianzen für Transparenz
Die Forderung nach Transparenz der Qualitäten und Herstellungsbedingungen prägt
von Anfang an das Engagement von Fo.KUS. Der Verein tritt hier als Initiator
auf, artikuliert die öffentliche Meinungsbildung und bringt Bündnisse zusammen,
die dem Anliegen Gewicht verleihen. In zwei Memoranden (2005 und 2009) werden
zukunftsweisende Analysen und Positionen formuliert, die nach wie vor aktuell
sind.
Verbraucherorientierte
Informationsstrukturen
In einem Memorandum zu Transparenz und
Orientierungssicherheit im E-Commerce charakterisiert Fo.KUS e.V. Defizite
im E-Commerce, die dessen Potenzial zur Förderung nachhaltigen Konsums behindern.
Aus dem Handlungsbedarf werden Vorschläge zu Informationsstrukturen bezgl.
Produkt-, Markt- und Qualitätsstransparenz im E-Commerce abgeleitet, die darauf
gerichtet sind, nachhaltigen Konsum zu erleichtern, Greenwashing zu behindern
und Fehlentscheidungen entgegenzuwirken. Im Memo wird der Handlungsbedarf
hergeleitet und Handlungsvorschläge werden skizziert.
Auszug: Handlungsbedarf –
Herausforderungen an Politik und Wirtschaft
Es ist an der Zeit, dass Politik und Wirtschaft die
Bedeutung transparenzfördernder Informationsangebote und -strukturen im Internet
für Verbraucherentscheidungen anerkennen:
-
Es liegt in der Verantwortung der Anbieterseite,
entsprechende Informationen bereitzustellen und an der Entwicklung der
notwendigen Infrastrukturen für eine gute Praxis mitzuwirken.
-
Es ist Aufgabe des Staates, die Entwicklung von
Qualitätsstandards und deren Anwendung zu unterstützen, Unterstützung für
die Praxisentwicklung zu geben, Normen zu setzen, die die
Mindestanforderungen an Verbraucherinformationen im eCommerce auf eine
rechtliche Grundlage stellen, und die Verbraucher in ihren Transaktionen zu
schützen.
-
Die Entwicklung und Förderung der Medienkompetenz
der Verbraucher im eCommerce ist – mit Unterstützung durch Wirtschaft und
Verbände – eine weitere Aufgabe des Staates.
Politik, Wirtschaft und Verbände sollen in einen offenen
Dialog über Handlungsbedarf und Handlungsmöglichkeiten treten. Die Förderung von
problemorientierter Verbraucheraufklärung, Best Practice und Handlungsanreizen
und Medienkompetenz ergänzt die notwendigen staatliche Regulierungen. Eine
Kontrollstelle beobachtet unter Beteiligung der Zivilgesellschaft die Einhaltung
gesetzlicher und freiwilliger Regeln und befasst sich mit der Schlichtung von
Konflikten.
Die Informationspflichten der Wirtschaft im eCommerce
sind umfassender und konkreter zu definieren, als es derzeit gegeben ist.
Preise, Grundpreise, Neben- und Folgekosten (insb. Energieverbräuche) sind beim
Produkt ebenso zu veröffentlichen wie die Auszeichnung mit offiziellen
Zertifikaten. Desweiteren sind Mindestanforderungen an die Veröffentlichung von
Inhaltsstoffen und Herstellungsbedingungen zu formulieren. Die Verbote von
Täuschungen und fehlerhafte Angaben sind konkreter und strenger zu fassen; dabei
sind Manipulationstechniken (versteckte Informationen, Manipulation des
Qualitätseindrucks, des Ranges in Suchmaschinen, der Produktbewertung in
Meinungsportalen) einzubeziehen. Informationspflichten und Verbote sind mit
Sanktionen und Haftungsregeln auszustatten.
Weiterhin sind Regelwerke für Informationsanbieter im
eCommerce (insb. Online-Shops, Suchmaschinen, Meinungsportale,
Handelsplattformen) zu entwickeln, die über die gesetzlich geregelten Bereiche
hinaus Daten-Qualitätsstandards für Produkt-, Service- und Marktinformationen
enthalten. Diese Regelwerke zielen daraufhin, Qualitäten und Leistungen besser
unterscheiden zu können (insbesondere in Bezug auf öko-soziale Dimensionen und
Lebenszykluskosten) und im Wettbewerb von unvergleichbaren Qualitäten
unzulässigen Vergleichen entgegenzuwirken.
Erste Unterzeichner
Fo.KUS Konsum,
Umwelt & Soziales e.V., Arbeitsgemeinschaft Regenwald und Artenschutz e.V.
(ARA), EarthLink e.V., EcoShopper, fairdo.net e.V., Forum InformatikerInnen für
Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FIfF) e.V., Forum
Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft e. V. (FÖS), Gentechnikfreies Europa e.V.,
Hutholz e.G., Institut für anwendungsorientierte Innovations- und
Zukunftsforschung e.V., Institute 4 Sustainability, KATALYSE Institut für
angewandte Umweltforschung e. V., Metanoia e.V., Netzwerk "CSR - Forschung, &
Praxis" (Österreich), PEPP-Berlin e.V., Stiftung für die Rechte zukünftiger
Generationen (Foundation for the Rights of Future Generations), Sustainable
Europe Research Institute (SERI) Deutschland, Welthaus Bielefeld e.V. (Stand
01/2010)
Memorandum zur Unternehmensverantwortung
(Transparenz-Memo)
In einem von Fo.KUS initiierten gemeinsamen "Memorandum
zur Unternehmenstransparenz (Verantwortlich produzieren und konsumieren -
Memorandum zur Transparenz der Unternehmensverantwortung)" fordert ein
Bündnis aus Verbraucher-, Umwelt- und Sozialverbänden mehr
Verbraucherinformationsrechte und die Einführung einer Publizitätspflicht für
soziale und ökologische Unternehmensdaten. Die Bundesregierung müsse endlich die
Lücken in der entsprechenden Gesetzgebung schließen. Die Öffentlichkeit habe ein
Recht darauf, Zugang zu aussagekräftigen Unternehmensdaten zu bekommen. Dazu
müsse auch eine Datenbank mit Unternehmensinformationen aufgebaut werden.
Deutschland braucht eine Diskussion über die ökologische und
soziale Verantwortung der Konsumgüterhersteller, so die Quintessenz des Memos
2005. Bisher herrsche in der deutschen Wirtschaft Schweigen vor, während in
anderen Staaten, etwa Großbritannien, den Niederlanden oder den USA die Bürger
weitaus mehr Informationsrechte über die Unternehmen als hierzulande hätten. Dr.
Hansjörg Elshorst, Vorsitzender von Transparency International Deutschland: „Das
Verhalten der Unternehmen muss für die Öffentlichkeit transparenter werden. Das
gilt auch für die Anstrengungen von Unternehmen, unethisches Verhalten zu
unterbinden. All dies soll den Bürgern erleichtern, verantwortliche
Entscheidungen als Konsumenten und Kapitalanleger zu fällen."
Erste Unterzeichner
Forschung und Kommunikation für Konsum, Umwelt und Soziales e. V., Die
Verbraucher Initiative e. V., Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V.
- BUND, Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre, FoodFirst
Informations und Aktions-Netzwerk - FIAN-Deutschland e. V., Germanwatch e. V.,
Kampagne für Saubere Kleidung, Klaus Novy Institut, Naturschutzbund Deutschland
e. V. - NABU, Oxfam Deutschland e. V., Rettet den Regenwald e. V.,
Schweisfurth-Stiftung, Sustainable Europe Research Institute - SERI, terre des
hommes Deutschland e. V., Transparency International Deutschland e.V.,
Weltwirtschaft, Ökologie & Entwicklung e.V. - WEED, Prof. Dr. Ulrich Beck,
Universität München, Frank Bsirske, Vorsitzender der Vereinten
Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, Dr. Helmut Hagemann, Fo.KUS e. V., Martin
Kempe, ver.di PUBLIK, Uwe Kleinert, Werkstatt Ökonomie, Jens Martens, Global
Policy Forum Europe, illa Metzner, Transfer 21 Berlin, Dr. Lucia Reisch,
nwd-Institut, Dr. Frieder Rubik, Institut für ökologische Wirtschaftsforschung,
Heidelberg, Prof. Dr. Gerhard Scherhorn, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt,
Energie, Claudia von Fersen, Mitglied des Anlageausschusses von „Ökovision“, Dr.
Reinhard J. Voss, Pax Christi, Sektion Deutschland (Stand 2005)
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